Themenwoche Juni
Fakten zur Sporttherapie in der Kinderonkologie
Eine Themenwoche der NAOK- Steuerungsgruppe
Was wir schon wissen – und was noch erforscht werden muss – Teil 1
Sport- und Bewegungstherapie in der Kinderonkologie gewinnt zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig stehen wir wissenschaftlich noch am Anfang. Zwar zeigen erste Studien positive Effekte auf körperliche Leistungsfähigkeit, Fatigue, Lebensqualität und psychosoziale Aspekte, doch viele Fragen sind weiterhin offen: Welche Trainingsform wirkt am besten? Welche Intensität und „Dosis“ sind sinnvoll? Wann und für wen sind Bewegungsangebote besonders wirksam?
Aktuell existiert in Deutschland bereits eine AWMF-S2k-Leitlinie zur „Bewegungsförderung und Bewegungstherapie in der pädiatrischen Onkologie“. Diese basiert jedoch überwiegend auf Expert*innenkonsens, da große randomisierte Studien bislang noch fehlen.
Was wir schon wissen – und was noch erforscht werden muss Teil 2
Um genau diese Evidenzlücke zu schließen, läuft derzeit die bundesweite BEPPO-Studie (gefördert durch den Innovationsausschuss des G-BA). In 13 kinderonkologischen Zentren gleichzeitig wird untersucht, wie Sport- und Bewegungstherapie wirksam, sicher und nachhaltig in die Versorgung integriert werden kann. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Daten für die zukünftige Regelversorgung zu erheben und die Wirksamkeit der Sport- und Bewegungstherapie genau zu analysieren. Ein wichtiger Erfolg ist bereits gelungen: Im Rahmen des FORTEe-Projekts konnten in sieben Ländern insgesamt 476 Kinder und Jugendliche für die Forschung zur Sport- und Bewegungstherapie in der Kinderonkologie gewonnen werden.
In dieser Themenwoche zeigen wir euch, was die Wissenschaft heute schon zeigt und warum weitere Forschung so wichtig bleibt.
Sporttherapie in der Kinderonkologie ist machbar.
Bewegung trotz Krebs? Ja – und zwar machbar!
Studien und die Beobachtung der Versorgung zeigen: Durch Fachkräfte supervidierte und qualitätsgesicherte Sport- und Bewegungstherapie lässt sich auch während einer onkologischen Behandlung erfolgreich in den Klinikalltag integrieren. Die bisherige Evidenz deutet zudem darauf hin, dass supervidierte Bewegungsprogramme konsistentere und teilweise stärkere Effekte erzielen als rein eigenständig durchgeführte Trainingsprogramme zu Hause. Direkte hochwertige Vergleichsstudien fehlen bislang jedoch noch. Selbst Kinder und Jugendliche mit hochintensiver Therapie, wie einer Knochenmarktransplantation, können an angepassten Trainingsprogrammen teilnehmen. Wichtig dabei: Bewegung sollte individuell an die aktuelle Tagesform, die medizinische Situation sowie die Interessen und Vorlieben der Kinder und Jugendlichen angepasst werden. Die Teilnahmequoten sind hoch und viele Kinder und Jugendliche berichten von mehr Freude, Motivation und Selbstvertrauen.
Quellen
- Battanta, N., et al. (2025). Supervised Physical Activity Interventions in Children and Adolescents with Cancer Undergoing Treatment—A Systematic Review. Current Oncology, 32(4), 234.
- Grimshaw, S.L., et al. (2022). Promoting positive physical activity behaviors for children and adolescents undergoing acute cancer treatment: Development of the CanMOVE intervention using the Behavior Change Wheel. Front Pediatr. 10: p. 980890.
- Shi, Q., J. Zheng, and K. Liu (2022). Supervised Exercise Interventions in Childhood Cancer Survivors: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. 9(6): p. 824.
- Saultier, P., et al. (2021). A Randomized Trial of Physical Activity in Children and Adolescents with Cancer. Cancers, 13(1).
- Wurz, A., et al. (2021). The international Pediatric Oncology Exercise Guidelines (iPOEG). Transl Behav Med. 11(10): p. 1915–1922.
Dienstag – Sport- und Bewegungstherapie in der Kinderonkologie ist sicher.
Sicher trainieren – in allen Phasen der Behandlung
Aktuelle Untersuchungen zeigen: Individuell angepasste und professionell begleitete Sport- und Bewegungstherapie ist für Kinder und Jugendliche mit einer onkologischen Erkrankung sicher. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (Adverse Events) treten selten auf. Entscheidend sind an die medizinische Situation angepasste Bewegungseinheiten, enge medizinische Rücksprache und angeleitete sowie individualisierte Sport- und Bewegungstherapie durch Therapeut*innen vor Ort.
Quellen
- Gauß, G., et al. (2026). Incidence, characteristics and suggestions for prevention of adverse events in supervised pediatric oncology exercise sessions. Frontiers in Pediatrics, 14.
- Battanta, N., et al. (2025). Supervised Physical Activity Interventions in Children and Adolescents with Cancer Undergoing Treatment—A Systematic Review. Current Oncology, 32(4), 234.
- Rustler, V., et al. (2017). Exercise interventions for patients with pediatric cancer during inpatient acute care: A systematic review of literature. Pediatr Blood Cancer. 64(11).
Mittwoch – Sport- und Bewegungstherapie verbessert die Leistungsfähigkeit.
Bewegung macht stärker – auch während der Therapie
Sport- und Bewegungstherapie kann Kraft, Ausdauer und allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit verbessern. Studien zeigen, dass gezielte Programme dabei unterstützen, körperliche Einschränkungen während der Behandlung zu reduzieren und die körperliche Belastbarkeit zu erhalten.
Quellen
- Ruiz-Campos, S., et al. (2026). Grading the evidence on the effects of exercise interventions in children and adolescents during and beyond cancer treatment: an umbrella review of systematic reviews with meta-analyses. British Journal of Sports Medicine.
- Zang, W. et al. (2023). Effect of concurrent training on physical performance and quality of life in children with malignancy: A systematic review and meta-analysis. Public Heal. 11.
- Morales, J.S., et al. (2020). Inhospital exercise benefits in childhood cancer: A prospective cohort study. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 30(1), 126–134.
Donnerstag – Sport- und Bewegungstherapie hilft gegen Fatigue.
Weniger Fatigue durch Sport- und Bewegungstherapie
Cancer-related Fatigue zählt zu den häufigsten Belastungen während und nach einer Krebstherapie. Medikamentöse Behandlungsansätze zeigen bislang nur eine begrenzte Wirksamkeit. Studien weisen darauf hin, dass körperliche Aktivität positive Effekte auf Fatigue, Energielevel und Lebensqualität haben kann. Die bisherige Evidenz ist jedoch noch nicht eindeutig, da die Ergebnisse verschiedener Studien teilweise widersprüchlich sind. Insgesamt zeigen sich positive Tendenzen zugunsten von Bewegungstherapie, allerdings bedarf es weiterer Forschung, um genauer zu bestimmen, welche Art, Intensität und Dauer der Bewegung für welche Patientengruppen am wirksamsten ist.
Quellen
- Ruiz-Campos, S., et al. (2026). Grading the evidence on the effects of exercise interventions in children and adolescents during and beyond cancer treatment: an umbrella review of systematic reviews with meta-analyses. British Journal of Sports Medicine.
- Patel, P., et al. (2023). Guideline for the management of fatigue in children and adolescents with cancer or pediatric hematopoietic cell transplant recipients: 2023 update. EClinicalMedicine, 63: p. 102147.
- Saultier, P., et al. (2021). A Randomized Trial of Physical Activity in Children and Adolescents with Cancer. Cancers, 13(1).
- Morales, J.S., et al. (2020). Inhospital exercise benefits in childhood cancer: A prospective cohort study. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 30(1), 126–134.
- Robinson, P.D., et al. (2018). Management of fatigue in children and adolescents with cancer and in paediatric recipients of haemopoietic stem-cell transplants: a clinical practice guideline. Lancet Child Adolesc Health, 2(5): p. 371–378.
Ein Bewegungsangebot wird gewünscht und gut angenommen.
Kinder und Jugendliche wollen sich bewegen
Viele junge Betroffene wünschen sich Sport- und Bewegungsangebote während und nach der Therapie. Bewegung fördert nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch soziale Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Lebensfreude. Besonders erfolgreich scheinen Angebote zu sein, die Freude an Bewegung fördern, die Interessen der Kinder und Jugendlichen berücksichtigen und Erfolgserlebnisse ermöglichen. Besonders wichtig: Angebote sollen Spaß machen und individuell angepasst sein. Darüber hinaus spielen Eltern, Geschwister, Freund*innen und andere Betroffene häufig eine wichtige Rolle dabei, Kinder und Jugendliche zur regelmäßigen Bewegung zu motivieren und langfristig zu unterstützen.
Quellen
- Wurz, A., et al. (2026). Exploring physical activity experiences among children and adolescents during and beyond cancer treatment: a meta-synthesis of qualitative research. BMC Cancer.
- Demoor-Goldschmidt, C., et al. (2026). Patient Activation in Childhood, Adolescent, and Young Adult Cancer Survivors: Current Insights and Implications for Survivorship Care—A Systematic Review From the e-QuoL Project. Pediatric Blood & Cancer, 73.
- Winslow, E.J., et al. (2026). Psychosocial outcomes of medical specialty camps for children with physical disabilities. Journal of Pediatric Rehabilitation Medicine.
- Bajamal, E., E.A. Abou Hashish, and L.B. Robbins. (2024). Enjoyment of Physical Activity among Children and Adolescents: A Concept Analysis. J Sch Nurs, 2024. 40(1): p. 97–107.
- Adamovich, T., et al. (2024). Barriers and facilitators to physical activity participation for child, adolescent, and young adult cancer survivors: a systematic review. J Cancer Surviv. 18(2): p. 245–262.
- Lubans, D.R., et al. (2017). Framework for the design and delivery of organized physical activity sessions for children and adolescents: rationale and description of the ‚SAAFE‘ teaching principles. Int J Behav Nutr Phys Act.14(1): p. 24.
Sport- und Bewegungstherapie wird immer relevanter.
Die Forschung zur Sport- und Bewegungstherapie wächst rasant
Die wissenschaftliche Evidenz zur Sport- und Bewegungstherapie in der Kinderonkologie nimmt stetig zu. Aktuelle Studien untersuchen digitale supervidierte Trainingsangebote, telemedizinische Diagnostik und langfristige Effekte von Bewegung. Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt derzeit auf der Frage, wie digitale Angebote sinnvoll mit persönlicher Betreuung kombiniert werden können. Dabei wird untersucht, welche Anteile der Begleitung, Individualisierung und Motivation auch digital erfolgreich umgesetzt werden können. Ziel ist es, evidenzbasierte und angeleitete Sport- und Bewegungstherapie als festen Bestandteil in der kinderonkologischen Regelversorgung zu etablieren.
Quellen
- Mizrahi, D. (2026). Virtual Delivery of Supervised Physical Fitness Assessments for Childhood Cancer Survivors: A Feasibility Study. Physiologia, 6, 32.
- Ruiz-Campos, S., et al. (2026). Grading the evidence on the effects of exercise interventions in children and adolescents during and beyond cancer treatment: an umbrella review of systematic reviews with meta-analyses. British Journal of Sports Medicine.
Morales, J.S., et al. (2021). Exercise and Childhood Cancer – A Historical Review. Cancers, 14(1).
Fazit und Ausblick.
Sport- und Bewegungstherapie in der Kinderonkologie bedeutet mehr als körperliche Aktivität: Sie unterstützt körperliche Funktionen, stärkt das psychische Wohlbefinden und schafft wichtige Momente von Normalität im Klinikalltag. Die Evidenz wächst und mit ihr die Bedeutung von Bewegung in der kinderonkologischen Versorgung.