Neues vom NAOK-Standort Hannover gemeinsam mit der Universität Hildesheim
Bericht: Wellenreiten auf Sylt
Surffahrt als rehabilitative Maßnahme für Familien mit an Krebs erkrankten Kindern
In der ersten Augustwoche 2026 reisten elf Familien mit ihren an Krebs erkrankten Kindern und deren Geschwistern nach Rantum auf Sylt, um dort gemeinsam mit einem elfköpfigen Betreuungsteam eine Woche zu verbringen. Untergebracht war die 51-köpfige Gruppe in einem Schullandheim, dessen Lage kaum besser hätte gewählt werden können. Nur fünf Gehminuten trennten die Unterkunft vom Wattenmeer, weitere neun Minuten führten zum Weststrand mit seinem weiten Sandstrand und den für Rantum typischen Wellen – ideale Voraussetzungen, um jeden Tag aufs Neue ins Wasser zu gehen.
Für viele Familien war es die erste Woche seit Langem ohne Klinikalltag, Arzttermine und die herausfordernde Organisation des Alltags. Die Erkrankung mit all ihren Begleiterscheinungen rückte in den Hintergrund und geriet für eine Woche fast in Vergessenheit. Genau hier setzt die Surffreizeit an: als geschützter Rahmen, in dem körperliche, seelische und soziale Erholung gleichermaßen Raum finden.
Herzstück der Woche war das Wellenreiten. Für die meisten Teilnehmenden, Kinder wie Eltern, war es der erste Kontakt mit dem Surfboard überhaupt. Angeleitet durch das Team tasteten sie sich Schritt für Schritt an die körperliche Anstrengung heran und spürten dabei oft zum ersten Mal seit der Diagnose, wie belastbar ihr Körper eigentlich schon wieder war. Ein solches Erlebnis ist mehr als ein schöner Urlaubsmoment. Es schafft Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und macht auch den Eltern Mut, ihren Kindern im Alltag wieder mehr zuzutrauen. Eine Grundlage, die den Wiedereinstieg in Schul- und Vereinssport spürbar erleichtert.
Das Wetter spielte dabei mit, wenn auch nicht durchgehend. An den ersten beiden Tagen sorgten sanfte, anfängerfreundliche Wellen für ideale Lernbedingungen, sodass praktisch alle schnell erste Erfolgserlebnisse feiern konnten. Danach zeigte sich Sylt von seiner anderen Seite, mit Wind und Regen. Gerade dieser Wechsel gehörte zur Erfahrung dazu und zeigte der Gruppe, dass gute Stimmung nicht vom Wetter abhängt.
Neben dem Surfen füllten Strand- und Sportspiele, ein gemeinsamer Lagerfeuerabend, SUP-Board-Fahren, Kegeln, Radtouren, Gesellschaftsspiele und eine Strandolympiade die Tage und sorgten für eine unbeschwerte, verbindende Atmosphäre abseits der Wellen. Bereits während der Woche waren die Wirkungen deutlich zu spüren: Die Kinder gewannen sichtbar an Selbstvertrauen, trauten sich an Neues heran und entdeckten Freude an Bewegung im und am Wasser. Auch innerhalb der Familien zeigte sich eine spürbare Entlastung. Eltern konnten Verantwortung zeitweise abgeben, neue Perspektiven gewinnen und sich mit anderen Betroffenen austauschen. Geschwisterkinder, die im Alltag häufig zurückstecken müssen, erlebten sich als gleichwertiger Teil der Gemeinschaft.
Möglich wurde diese Woche nur durch die Unterstützung von Spenderinnen, Sponsoren und fördernden Institutionen. Zwar bringen die teilnehmenden Familien einen Eigenanteil ein, doch der Großteil der Kosten für Unterkunft, Organisation, Betreuung und Durchführung wird durch externe Förderung getragen. So bleibt das Angebot unabhängig von der finanziellen Situation der Familien zugänglich, ohne dass Abstriche bei der Qualität der Betreuung gemacht werden müssen.
Im Namen des gesamten Teams und aller Familien gilt daher ein besonderer Dank vor allem der Bürgerstiftung Hildesheim und dem Verein für krebskranke Kinder Hannover e. V. Ihre Unterstützung trägt maßgeblich dazu bei, dass betroffene Kinder und ihre Familien nicht nur eine Woche Abstand vom belastenden Alltag gewinnen, sondern vor allem neue Kraft, Zuversicht und Vertrauen in die eigene Zukunft entwickeln können.