Bericht: AYA-Skifahrt 2026

mit Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin

Vom 24.01.–31.01. und vom 31.01.–07.02.2026 hieß es für uns wieder: Rauf auf die Pisten des wunderschönen Kleinwalsertals!  Mit insgesamt 72 Teilnehmer:innen – inklusive großartigem Team und unserer legendären Küchencrew – durften wir zwei unvergessliche Wochen im Schnee erleben.

Unsere Programm-Highlights reichten von täglichen Skikursen für jedes Level – von Anfänger:in bis Pistenprofi – über eine Schneeschuhwanderung durch die traumhafte Winterlandschaft bis hin zu geselligen Abenden wie dem Aperolabend, dem Glühweinabend und einem gemütlichen Gesellschaftsspieleabend. Beim Kickerturnier wurde ehrgeizig um jeden Punkt gekämpft, und beim gemeinsamen Kochen unter Anleitung unseres Kochs Joseph konnten wir nicht nur kulinarisch einiges lernen, sondern auch als Gruppe noch enger zusammenwachsen. Am letzten Abend folgte schließlich die traditionelle Skitaufe, bei der alle neuen Skifahrer:innen feierlich mit ihrem ganz persönlichen Skinamen getauft wurden. 

Neben Sport und Action stand dabei vor allem eines im Mittelpunkt: Gemeinschaft. Der tolle Austausch, das gemeinsame Lachen und die vielen besonderen Momente haben diese Freizeit zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Erfahrungsbericht von Teilnehmerin Sarah (31 Jahre):

Man denkt vielleicht, es sei „nur“ eine Skifreizeit. Ein paar junge Menschen in den Bergen. Ein bisschen Sport. Ein bisschen Gemeinschaft. Aber das wird dieser Woche nicht gerecht. Die AYA-Skifreizeit richtet sich an junge Menschen zwischen etwa 16 und 30 Jahren, die an Krebs erkrankt sind oder es waren. Organisiert vom Netzwerk ActiveOncoKids, begleitet von einem engagierten Team, entsteht hier ein Raum, der weit mehr ist als ein Urlaub.

Es ist eine Woche mit Struktur – aber ohne Druck.
Mit Gemeinschaft – aber ohne Zwang.
Mit Bewegung – aber immer im eigenen Tempo.

Ich bin einen Monat nach Ende meiner Brustkrebstherapie mitgefahren.
Mit Fatigue. Mit körperlicher Schwäche. Mit Unsicherheit. Und mit Angst.

Angst, dass mein Körper nicht mithält.
Angst, dass ich versage.
Angst, zu merken, dass ich noch nicht so weit bin.

Diese Angst war unbegründet.

Ein typischer Tag beginnt um 8 Uhr mit gemeinsamem Frühstück. Um 9 Uhr geht es los Richtung Skilift – zu Fuß oder auf Skiern. Von 10 bis 14 Uhr findet der Skiunterricht statt, angepasst an jedes individuelle Level. Anfängerinnen und Anfänger starten am Anfängerhügel, Fortgeschrittene fahren anspruchsvollere Pisten. Niemand wird überfordert. Niemand muss mithalten. Ich bin als komplette Anfängerin gestartet. Der erste Sturz war kein Scheitern – er war ein Anfang. Hinfallen. Aufstehen. Nochmal versuchen.

Gerade mit Fatigue merkt man, dass Konzentration schneller nachlässt. Ich bin öfter gestürzt, wenn die Kraft weniger wurde. Aber ich durfte Pausen machen. Ich musste nichts beweisen. Es wurde individuell geschaut, was ich leisten kann und wie sehr ich meinen Körper belasten möchte. Man fällt dort nicht „drunter durch“.

Ist das gefährlich nach Krebs?
Nein. Nicht in diesem Rahmen. Nicht mit dieser Begleitung. Und nicht, wenn man die eigenen Grenzen kennt und respektiert. Ich war nicht voll belastbar. Bin es auch jetzt noch nicht. Während des Skifahrens habe ich meine Schwäche gespürt. Aber ich habe meine Narbe nicht gespürt. Meine Operation war kein Hindernis. Mein Körper war kein Feind. Er war da. Er hat getragen. Und ich habe wieder begonnen, ihm zu vertrauen.

Nach dem Unterricht kehren wir zur Hütte zurück. Manchmal gibt es nachmittags Programmpunkte wie Schneeschuhwanderungen, kleine Feiern oder gemeinsame Aktionen. Das Essen ist vielfältig, vegetarisch oder vegan kein Problem – und mit unglaublich viel Herz zubereitet. Um 19 Uhr gibt es gemeinsames Abendessen. Danach kann man kickern, Gesellschaftsspiele spielen, reden oder sich zurückziehen. Ein Tag Küchendienst, ein Tag gemeinsames Aufräumen der Gemeinschaftsräume – was in der Gruppe schnell erledigt ist und oft für viel Gelächter sorgt. Ist der Tagesablauf streng? Nein. Er gibt Orientierung, aber keinen Druck.

Redet man dort nur über Krebs?
Nein. Krebs ist Teil unserer Geschichte – aber nicht unsere einzige Identität. Man kann darüber sprechen, wenn man möchte. Und wenn nicht, dann nicht. Grenzen – körperlich wie emotional – werden respektiert. Gespräche entstehen im Flow. Über Zukunft, Musik, Beziehungen, Pläne, Ängste, Träume. Man ist nicht „die mit Krebs“. Nicht „die, die krank war“. Man ist einfach einer von vielen. Unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Krebsarten, unterschiedliche Wege – und doch verbindet uns dieses stille Verständnis. Man muss sich nicht erklären. Man wird verstanden.

Freiheit bedeutet hier:
den Wind im Gesicht,
die Berge vor Augen,
den Körper in Bewegung –
und keinen Stempel auf der Stirn.

Am Ende der Woche konnte ich sicher – wenn auch langsam – eine blaue Piste fahren. Für viele vielleicht selbstverständlich. Für mich war es ein kleines Wunder. Was sich verändert hat? Ich nehme nicht nur Muskelkater mit nach Hause. Ich nehme Vertrauen mit. Ein Stück Urvertrauen in meinen Körper. Ich habe gemerkt: Ich bin nicht zerbrechlich. Ich bin in Heilung. Und ich darf mich fordern – ohne mich zu überfordern.

Warum sollte man mitfahren? Weil es nicht nur um Skifahren geht. Es geht um Selbstvertrauen. Um Gemeinschaft. Um das Gefühl, wieder Teil von etwas zu sein, ohne sich erklären zu müssen.

Und warum sollte so etwas unterstützt werden? Weil junge Menschen nach Krebs nicht nur medizinische Nachsorge brauchen. Sie brauchen Räume, in denen sie wieder spüren dürfen, dass sie lebendig sind. Räume, in denen Belastung nicht Bedrohung bedeutet, sondern Wachstum. Räume, in denen sie merken: Ich kann das. Noch. Wieder.

Ich bin dankbar.
Für das Team. Für die Organisation. Für jede Person dort. Für jeden Sturz und jedes Aufstehen.

Und vor allem dafür, dass ich einen Monat nach Therapieende auf einem Berg stehen durfte – und nicht an meine Grenzen gedacht habe, sondern an meine Möglichkeiten.

Be free on ski.
Und dieses Gefühl bleibt. 

Ein herzliches Dankeschön geht an alle Unterstützer:innen, die diese Fahrt ermöglichen, an unsere Teamer:innen für ihren Einsatz und an unsere tolle Küchencrew!

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