Themenwoche April: Jugendrehabilitation

Q&A mit einer Betroffenen

Im Rahmen eines Q&A mit einer Betroffenen haben wir ihr sechs Tage lang jeden Tag eine Frage rund um das Thema Jugendreha gestellt. Diese Fragen und ihre persönlichen Antworten stellen wir euch in dieser Themenwoche vor. So bekommt ihr einen Einblick in Erfahrungen, Herausforderungen und Chancen einer Jugendrehabilitation.

Q&A Tag 1: Wie läuft ein Tag in einer Jugendreha ab?

Der Tag startete meistens gegen 8 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück im Speisesaal. Das Gute daran: Ich konnte oft sogar etwas länger schlafen als an normalen Schultagen.

Nach dem Frühstück ging es mit den Therapien weiter. Am Anfang der Reha bekommt man einen Therapieplan – ähnlich wie einen Stundenplan in der Schule. Dort steht genau drin, wann man wo sein muss. Bei mir ging es häufig direkt nach dem Frühstück zur Physiotherapie. Durch meine Erkrankung habe ich ein Bein verloren. Bei der Physiotherapie habe ich Schritt für Schritt gelernt, wieder mobiler zu werden. Zwischen den Therapien gab es meistens auch kurze Pausen, sodass der Tag nicht zu stressig wurde und man zwischendurch etwas durchatmen konnte.

Vor dem Mittagessen stand bei mir oft noch Kunsttherapie in einer kleinen Gruppe auf dem Plan. Dort haben wir zum Beispiel Kerzen und duftende Handcreme hergestellt, auf Leinwänden gemalt oder verschiedene Dinge gebastelt. Für mich war die Kunsttherapie eine richtig schöne Möglichkeit, kreativ zu sein und gleichzeitig mit anderen ins Gespräch zu kommen. Zum Mittagessen haben sich alle wieder gemeinsam im Speisesaal getroffen. Dort haben wir zusammen gegessen, uns unterhalten und kurz durchgeatmet, bevor es weiterging. Das Essen war immer sehr lecker und abwechslungsreich, sodass für jede und jeden etwas dabei war.

Nach dem Mittagessen ging es auch schon weiter – diesmal mit einer Gruppentherapie im Snoozle-Raum. Dort haben wir oft zusammen Werwölfe gespielt oder Entspannungsreisen gemacht.
Und ehrlich gesagt: Nach dem leckeren Mittagessen und bei der ruhigen Atmosphäre der Entspannungsreisen bin ich dabei manchmal sogar kurz eingeschlafen. Entspannt aus dem Snoozle-Raum zurück ging es für mich weiter mit einem Einzelgespräch mit dem psychosozialen Team. Hier habe ich über meine Ziele in der Reha gesprochen, über Herausforderungen im Alltag – aber auch über ganz normale Dinge wie Sport, Ernährung, die neueste coole Serie und vieles mehr.

Der letzte Punkt auf meinem Plan vor dem Abendessen war das Fitnessstudio. Dort konnte man in kleinen Gruppen, mit einer Trainingspartnerin oder einem Trainingspartner oder auch alleine trainieren. Es gab viele verschiedene Geräte – und sogar eine Musikanlage, auf der man seine eigene Playlist abspielen konnte. So hat das Training immer richtig viel Spaß gemacht!

Nach dem gemeinsamen Abendessen konnte man den Abend frei gestalten. Meistens war ich zusammen mit den anderen Jugendlichen im Aufenthaltsraum. Dort haben wir oft Gesellschaftsspiele gespielt, viel geredet und zusammen richtig viel gelacht.

Q&A Tag 2: Hast du in der Jugendreha Sport gemacht?

Ja, in der Jugendreha habe ich sogar ganz viele verschiedene Sportarten ausprobiert. Ein Ziel von mir war es, wieder Fahrradfahren zu lernen. Das haben wir mit E-Bikes geübt – und am Ende der Reha konnte ich tatsächlich wieder gut und sicher Rad fahren.

Auf meinem Therapieplan standen aber auch viele andere Sportarten wie zum Beispiel Schwimmen, Klettern an der hauseigenen Kletterwand und im Hochseilgarten, Gruppensport in der Turnhalle oder draußen auf dem Sportplatz (je nach Wetter), Tauchen mit Sauerstoffflasche, Kraft- und Ausdauertraining im Fitnessstudio und sogar Bogenschießen.

Ein echtes Highlight für mich war der Hochseilgarten und das Klettern an der Kletterwand. Ich hätte vorher nie gedacht, dass das mit einem Bein so gut funktionieren kann und alleine hätte ich mich das wahrscheinlich auch gar nicht getraut. Umso glücklicher war ich, dass ich es in der Jugendreha ausprobieren konnte. Es hat nicht nur super geklappt, sondern mir auch richtig viel Mut gegeben zuhause weitere Sportarten auszuprobieren.

Q&A Tag 3: Hattest du in der Jugendreha auch Schule?

Ja, in der Jugendreha hatte ich auch Schule – und die war ganz normal in meinen Therapieplan integriert. Meistens fand der Unterricht in kleinen Gruppen statt, was es total angenehm gemacht hat.

Vor meiner Reha habe ich mit meiner Schule abgesprochen, dass mir meine Lehrerinnen und Lehrer Arbeitspläne für meine Fächer zusammenstellen. Diese habe ich dann während der Unterrichtszeiten in der Reha bearbeitet. Wenn ich Fragen hatte, waren die Lehrerinnen und Lehrer vor Ort immer da und haben mir alles gut erklärt. Wenn ich zusätzlich lernen wollte oder Hausaufgaben zu erledigen hatte, konnte ich mich auch einfach in mein Zimmer zurückziehen und dort in Ruhe arbeiten. Man hatte also genügend Zeit und Unterstützung, um die schulischen Aufgaben gut zu schaffen.

In meiner Zeit in der Reha standen auch Klassenarbeiten an. Gemeinsam mit meiner Schule haben wir vereinbart, dass ich diese nach meiner Rückkehr nachschreiben durfte. Das hat gut funktioniert!

Q&A Tag 4: Welche Freizeitaktivitäten gibt es in einer Jugendreha?

In der Jugendreha wird es ganz bestimmt nicht langweilig – es gibt eine Vielzahl an Freizeitaktivitäten, die den Alltag abwechslungsreich und schön gestalten. Gemeinsam mit der Gruppe haben wir zum Beispiel Tagesausflüge in nahegelegene Städte unternommen. Dort konnten wir die Umgebung entdecken, ein bisschen shoppen gehen und zusammen essen – das waren immer ein tolle Erlebnisse.

Auch gemeinsame Unternehmungen wie Bowlen oder ein Kinobesuch standen auf dem Programm und haben für viele lustige Momente gesorgt. Vor Ort haben wir häufig Billard oder Kicker gespielt, was mir immer besonders viel Spaß gemacht hat. Besonders beliebt war auch der Sportplatz: Dort wurde bei gutem Wetter oft gemeinsam Fußball gespielt. Wer gerade keine Lust auf Fußball hatte, konnte stattdessen bei einem Spaziergang durch die Natur die Sonne genießen, abschalten und sich mit anderen austauschen.

Viele haben sich außerdem im Fitnessstudio sportlich betätigt und dort gemeinsam bei guter Musik trainiert.

Abends haben wir es uns manchmal im Aufenthaltsraum gemütlich gemacht und gemeinsam ferngesehen. Ein weiteres Highlight waren die Kochabende: Zusammen als Gruppe haben wir die leckersten Rezepte ausprobiert und gemeinsam gekocht – das hat nicht nur Spaß gemacht, sondern auch richtig gut geschmeckt.

Außerdem wurden sehr viele Gesellschaftsspiele gespielt. Immer wenn sich eine kleine Gruppe gefunden hat und Zeit war, wurde gespielt – so sind in der Jugendreha auch einige schöne Spieleabende entstanden.

Q&A Tag 5: Hast du deine Familie und Freunde vermisst?

Natürlich habe ich meine Freunde und meine Familie während der Zeit vermisst. Gerade Menschen, die einem so wichtig sind, fehlen einem. Zum Glück gibt es heute viele Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben. Wir haben viel geschrieben, oft telefoniert und auch Videoanrufe gemacht. Das hat mir sehr geholfen und es auf jeden Fall leichter gemacht, als wenn man gar nichts voneinander hört oder sieht. So konnte man trotzdem ein bisschen am Leben der anderen teilhaben und sich gegenseitig erzählen, was gerade so passiert.

Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass es mir gut getan hat, einmal etwas Abstand zu bekommen und ein Stück eigenständiger zu leben. Während der Therapie war ich eigentlich nie wirklich alleine – es war immer jemand da. Das hat mir viel Halt gegeben und dafür bin ich sehr dankbar. Trotzdem war es auch schön, einfach mal für sich zu sein und aus dem gewohnten Umfeld rauszukommen.

Ganz alleine war man in der Reha aber natürlich trotzdem nie. Man war von Menschen umgeben, die ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben und vieles nachvollziehen konnten, was man selbst erlebt hat. Dadurch sind Gespräche oft sehr offen und ehrlich geworden, weil jeder wusste, wie sich bestimmte Situationen anfühlen können. Genau dadurch sind auch neue Freundschaften entstanden.

Diese Freundschaften sind etwas ganz Besonderes. Viele davon bestehen sogar heute noch und haben eine sehr starke Verbindung. Ich vergleiche das oft mit einem Bruder oder einer Schwester, weil sich diese Freundschaften einfach anders anfühlen – besonders vertraut, unterstützend und ehrlich. Man hat eine intensive Zeit erlebt. Menschen die das auch erlebt haben, verstehen einfach nochmal besser wie man sich dabei fühlt. Genau das verbindet auf eine ganz besondere Weise.

Q&A Tag 6: Wie fandest du die Jugendreha?

Die Jugendreha war für mich eine richtig wertvolle Zeit. Sie hat mir sehr dabei geholfen, wieder fitter zu werden und mehr Eigenständigkeit in meinen Alltag zurückzubringen. Schritt für Schritt bin ich wieder mobiler geworden und habe gemerkt, wie gut mir die Bewegung und Aktivität tut. Besonders schön war, dass ich dort viele neue Sportarten ausprobieren konnte. Außerdem habe ich sogar wieder Radfahren gelernt – das hat mich wirklich stolz gemacht.

In der Reha habe ich auch viele neue Freundinnen und Freunde kennengelernt. Daraus sind Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen. Der Austausch mit Menschen, die etwas Ähnliches erlebt haben wie ich, war unglaublich wertvoll. Man versteht sich einfach auf eine besondere Weise. Nach der langen Therapiezeit tat es außerdem richtig gut, einmal rauszukommen und für eine Weile aus dem gewohnten Umfeld herauszukommen. Ich konnte mich ganz auf mich selbst konzentrieren.

Natürlich kam auch der Spaß nicht zu kurz. Wir haben viele coole Dinge unternommen wie zum Beispiel die Städtetrips, wobei wir ganz viele schöne Erinnerungen gesammelt haben.

Auch schulisch hat alles gut funktioniert – ich konnte meine Aufgaben erledigen und habe nichts verpasst. Es war alles echt gut organisiert!

Meine Familie, Freunde und Haustiere habe ich natürlich vermisst. Durch Videoanrufe und regelmäßigen Austausch war es auf jeden Fall leichter, als wenn man gar nichts voneinander hört. So konnte man auch gut berichten, was in der Reha so passiert. Gleichzeitig war es aber auch schön, einmal Zeit für mich zu haben und ein Stück unabhängiger zu sein. Ich hatte zudem die Möglichkeit die Reha zu verlängern. Statt vier Wochen blieb ich insgesamt acht Wochen dort, und diese zusätzliche Zeit hat mir wirklich gutgetan. Nach den acht Wochen habe ich mich dann auch wieder sehr auf zuhause gefreut.

Rückblickend muss ich sagen, dass ich vor der Reha ein bisschen Angst hatte. Man kennt schließlich niemanden, alles ist neu und man weiß nicht so genau, was einen erwartet. Deshalb habe ich mich gemeinsam mit einer Freundin, die ich während der Therapie im Krankenhaus kennengelernt habe, für die Reha angemeldet. Tatsächlich hat es dann auch geklappt, dass wir zusammen zur Reha fahren konnten. Vor Ort habe ich dann festgestellt, dass noch mehr Jugendliche dabei waren, die ich bereits aus dem Krankenhaus kannte. Das hat den Start natürlich noch einmal leichter gemacht. Gleichzeitig merkt man aber auch schnell, dass man sehr schnell neue Menschen kennenlernt. Dadurch hat sich meine anfängliche Angst eigentlich ganz schnell als völlig unbegründet herausgestellt.

Heute kann ich sagen: Eine Jugendreha würde ich jederzeit wieder machen. Die Zeit dort hat mir sehr gut getan und ich habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Deshalb kann ich eine Jugendreha wirklich jeder und jedem Jugendlichen von Herzen empfehlen.

Tag 7: Vorstellung der Rehabilitationsmöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene

Zum Abschluss unserer Themenwoche stellen wir einige Rehabilitationsangebote speziell für Jugendliche und junge Erwachsene vor. Diese Einrichtungen bieten Unterstützung, die auf die besonderen Bedürfnisse junger Menschen zugeschnitten ist.

  1. Rehabilitationsklinik
  2. Katharinenhöhe
  3. Klinik Bad Oexen
  4. SyltKlinik
  5. Nachsorgeklinik Tannheim

 

Im Folgenden findet ihr eine Übersicht der Rehakliniken. Über den Link gelangt ihr direkt zu den jeweiligen Homepages:
https://www.kinderkrebsstiftung.de/wir-helfen/leben-nach-der-behandlung/rehabilitation/

Möchtet ihr mehr über die einzelnen Rehakliniken erfahren? Schreibt es uns gerne – dann widmen wir uns in der nächsten Themenwoche genau diesem Thema und stellen die einzelnen Rehakliniken ausführlich vor.

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