Themenwoche Juli
Sporberatungen im Fokus
Jede Beratung ist so individuell wie die Kinder und Jugendlichen, die wir begleiten.
In unserer neuen Themenwoche möchten wir euch deshalb einige Fallbeispiele aus unseren Sportberatungen vorstellen. Anhand der häufigsten onkologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter zeigen wir, mit welchen Fragen Familien zu uns kommen und wie wir sie dabei unterstützen, Bewegung und Sport in den Alltag zu integrieren. Zum Einstieg erklären wir kurz, was eine Sportberatung eigentlich ist – anschließend erwarten euch spannende Einblicke in konkrete Fallbeispiele.
Sportberatung: Was ist das überhaupt?
Eine Sportberatung unterstützt Kinder und Jugendliche mit oder nach einer onkologischen oder hämatologischen Erkrankung sowie ihre Familien dabei, Bewegung und Sport sicher und individuell in den Alltag zu integrieren.
Gemeinsam schauen wir uns an:
• Wo stehst du gerade in deiner Therapie?
• Welche Sportarten hast du bisher gemacht?
• Welche körperlichen Voraussetzungen oder Einschränkungen gibt es?
• Welche Wünsche und Ziele hast du?
Auf dieser Grundlage entwickeln wir gemeinsam individuelle Möglichkeiten – vom (Wieder-)Einstieg in den Schul- oder Vereinssport über die Suche nach einem passenden Bewegungsangebot bis hin zu neuen Sportarten, die Freude an Bewegung vermitteln.
In unserer Themenwoche zeigen wir euch anhand konkreter Fallbeispiele, wie unterschiedlich diese Beratungen aussehen können und welche individuellen Lösungen wir gemeinsam mit den Familien finden.
Fallbeispiel: Ben, 14 Jahre, Leukämie
Status der Behandlung:
Der 14-jährige Ben befindet sich nach einem Rezidiv einer akuten myeloischen Leukämie (AML) und einer Stammzelltransplantation in der Nachsorge. Die Behandlung ist abgeschlossen, jedoch leidet er weiterhin unter einer ausgeprägten Fatigue und einer deutlich verminderten körperlichen Belastbarkeit.
Zielstellung:
Wie kann Ben trotz der anhaltenden Fatigue wieder Vertrauen in seinen Körper gewinnen und sein Selbstwertgefühl durch Bewegung nachhaltig stärken?
Herausforderung:
Die intensive Therapie hat Ben körperlich und mental stark belastet. Er ist schnell erschöpft und unsicher, welche Sportarten- und intensitäten für ihn geeignet sind. Gleichzeitig möchte er wieder aktiv werden, ohne sich zu überfordern.
Lösung:
Im Anamnesegespräch mit Ben und seiner Mutter wird deutlich, dass er während einer Rehabilitationsmaßnahme erste positive Erfahrungen mit Selbstverteidigung gemacht hat. Um den Wiedereinstieg möglichst niedrigschwellig zu gestalten, beginnt er zunächst mit einem Online-Angebot. Parallel werden wohnortnahe Vereine kontaktiert und passende Trainingsmöglichkeiten gesucht. Der Trainer wird durch das NAOK geschult. Schließlich startet Ben gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester ein Probetraining im Wing Tsun. Durch das regelmäßige Training gewinnt er Schritt für Schritt mehr Körpervertrauen, stärkt sein Selbstwertgefühl und erlebt wieder Freude an Bewegung.
Fallbeispiel: Mia, 9 Jahre, Hirntumor
Status der Behandlung:
Die 9-jährige Mia befindet sich nach der Behandlung eines Hirntumors im „Watch and Wait“-Status. Sie hat weiterhin Einschränkungen ihrer koordinativen Fähigkeiten.
Zielstellung:
Wie kann Mia trotz ihrer koordinativen Einschränkungen weiterhin aktiv am Schwimmunterricht in der Schule teilnehmen und langfristig Freude an Bewegung behalten?
Herausforderung:
Mia benötigt beim Schwimmunterricht Unterstützung durch ihre Integrationshelferin, die jedoch selbst körperlich eingeschränkt ist. Gleichzeitig fehlt der Sportlehrerin im Schulalltag die Zeit, den Unterricht individuell anzupassen. Die Familie erwägt deshalb bereits eine Befreiung vom Schulsport.
Lösung:
Durch die Vernetzung mit der behandelnden Klinik wird eine Lehrerin der Klinikschule gefunden, die Mia einmal pro Woche im Schwimmunterricht begleitet. Zusätzlich erhält die Integrationskraft eine Schulung, um die Übungen an Mias Bedürfnisse anzupassen und sie im Unterricht gezielt zu unterstützen. Für ihre Freizeit wird Mia außerdem an eine inklusive Tanzgruppe vermittelt, in der sie regelmäßig mit viel Freude aktiv sein kann.
Fallbeispiel: Sandro, 8 Jahre, Knochentumor
Status der Behandlung:
Der 8-jährige Sandro befindet sich nach der Behandlung eines Knochentumors in der Nachsorge. Nach seiner Beinamputation hat er vor Kurzem seine erste Prothese erhalten und lernt aktuell, sicher damit zu laufen. Die Muskulatur im amputierten Bein befindet sich noch im Aufbau.
Zielstellung:
Wie kann Sandro trotz seiner Amputation wieder Freude an Bewegung finden und seinen Wunsch verwirklichen, Fußball und Tischtennis auszuprobieren?
Herausforderung:
Die neue Prothese erfordert viel Übung und Geduld. Viele Bewegungen sind noch ungewohnt und die Muskulatur muss sich erst an die neue Belastung anpassen. Gleichzeitig wünscht sich Sandro, gemeinsam mit anderen Kindern Sport zu treiben und verschiedene Sportarten kennenzulernen.
Lösung:
Gemeinsam mit Sandro und seiner Familie suchen wir nach passenden Sportangeboten in seiner Umgebung. Für seinen Wunsch, Fußball zu spielen, vermitteln wir ihn an eine inklusive Fußballgruppe, in der er Krückenfußball ausprobieren kann. Zusätzlich stellen wir den Kontakt zu einer Tischtennis-Jugendgruppe sowie einer inklusiven Tischtennisgruppe her. So hat Sandro die Möglichkeit, beide Angebote in Probetrainings kennenzulernen und selbst zu entscheiden, wo er sich am wohlsten fühlt.
Fallbeispiel: Lenja, 17 Jahre, Palliativversorgung
Status der Behandlung:
Die 17-jährige Lenja befindet sich in einer palliativen Versorgung. Sie möchte die Zeit, die ihr bleibt, aktiv gestalten und möglichst viele schöne Erlebnisse sammeln.
Zielstellung:
Für Lenja hat das Skifahren eine besondere persönliche Bedeutung. Es erinnert sie an schöne Erlebnisse und gibt ihr ein Gefühl von Freude, Freiheit und Normalität trotz ihrer Erkrankung.
Herausforderung:
Aufgrund ihrer Erkrankung ist Lenja körperlich geschwächt und ihre Belastbarkeit ist eingeschränkt. Sie benötigt im Alltag und bei besonderen Aktivitäten möglicherweise mehr Unterstützung sowie regelmäßige Ruhepausen. Eine Skireise lässt sich daher nicht ohne Weiteres organisieren – erforderlich sind eine individuelle Anpassung, eine gute Planung und eine Umgebung, die auf ihre gesundheitlichen Bedürfnisse eingeht.
Lösung:
Im Rahmen der Sportberatung informieren wir Lenja und ihre Familie über unsere Skifreizeiten für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Freizeit bietet ihr die Möglichkeit, ihren Wunsch zu erfüllen und gemeinsam mit anderen Betroffenen unvergessliche Tage im Schnee zu verbringen.
Dabei stehen nicht Leistung oder sportliche Erfolge im Vordergrund, sondern Freude an der Bewegung, Gemeinschaft und das Erleben besonderer Momente. Die Aktivitäten werden an Lenjas individuelle Möglichkeiten angepasst. Durch eine flexible Gestaltung, zusätzliche Pausen, ein interdisziplinäres Team und die notwendige Unterstützung kann sie die Zeit im Schnee sicher und mit Freude genießen.